Die nachhaltigste Maschine ist oft die, die bereits läuft
In einer Industrie, die von Innovation, Automatisierung und immer kürzeren Technologiezyklen geprägt ist, geraten ältere Produktionssysteme oft schnell in den Hintergrund. Dabei zeigt die Praxis häufig ein anderes Bild: Gut konzipierte und durch präventive Wartung konsequent betreute Anlagen können über Jahrzehnte hinweg zuverlässig produzieren – wirtschaftlich, stabil und effizient.
Ein eindrucksvolles Beispiel dafür steht im Druckhaus Delmenhorst.
Dort verarbeitet noch heute eine Ferag Einstecktrommel Ferag ETR-M aus dem Jahr 1991 Wochenblätter mit einer hohen Anzahl an Beilagen. Was zunächst wie eine technische Besonderheit klingt, ist in Wirklichkeit ein bemerkenswertes Beispiel für nachhaltige Produktionssysteme in der Praxis.
Eine Produktionslinie mit Geschichte
Die ursprüngliche Anlage wurde 1991 an die Kieler Nachrichten ausgeliefert. Über die Jahre wurde das System kontinuierlich erweitert, modernisiert und an neue Anforderungen angepasst.
Die Anlage verfügt heute über:
- 20 Beilagen-Anlegestationen über Ferag Rollstream
- Online-Zuführung des Hauptprodukts direkt ab Rotation
- Weiterverarbeitung über drei moderne Ferag Multistack MTS2 Kreuzleger
- Ein teilautomatisiertes Einsteckverwaltungssystem namens „Prod-Plan“
Der „Prod-Plan“ – ein Stück gelebte Produktionspraxis
Eine Besonderheit der Anlage ist der Ferag „Prod-Plan“. Dieses teilautomatisierte System organisiert die Reihenfolge und Kombination der Beilagen bereits vor Produktionsbeginn.
Während der Produktion werden Start- und Stopppunkte der einzelnen Beilagen automatisiert über Zählungen gesteuert.
Bemerkenswert: In dieser Form ist der „Prod-Plan“ heute nur noch in Delmenhorst im Einsatz.
Präventive Wartung als Grundlage für Stabilität im gesamten System
Die langfristige Leistungsfähigkeit der Produktionsumgebung in Delmenhorst basiert nicht nur auf der Robustheit einzelner Maschinen, sondern auch auf einer konsequenten und strukturierten Betreuung der gesamten Anlagenlandschaft.
Als Spezialist für die Wartung in der Druckweiterverarbeitung betreut die Ferag Deutschland GmbH dabei nicht nur die ETR-Linie, sondern auch moderne Systeme wie eine Ferag RSD Einstecklinie 20in1 (Baujahr 2020), eine Schneidlinie mit SNT-U sowie aktuelle Aufgabestationen zur Rotations-Entsorgung.
Im Rahmen eines seit 2011 bestehenden Servicevertrags sind Spezialisten regelmäßig vor Ort in Delmenhorst – insgesamt rund 12 Wochen pro Jahr. Diese Präsenz ermöglicht eine vorausschauende technische Begleitung und trägt dazu bei, bestehende Systeme gezielt weiterzuentwickeln.
Gerade im Zusammenspiel von älteren und modernen Anlagen zeigt sich: Entscheidend ist nicht das Alter der Technik – sondern die Qualität ihrer Betreuung.
Langlebigkeit ist kein Zufall
Dass eine Produktionslinie über mehr als 30 Jahre hinweg stabil läuft, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis mehrerer Faktoren:
- solide mechanische und systemische Konstruktion
- kontinuierliche Modernisierung statt Ersatz
- tiefes technisches Verständnis auf Betreiberseite
- verlässliche Service- und Wartungsstrukturen
- und vor allem: präventive Instandhaltung
Präventive Wartung bedeutet dabei weit mehr als die Vermeidung von Ausfällen. Sie schafft Planbarkeit, reduziert Risiken und erhält die Leistungsfähigkeit bestehender Systeme über Jahrzehnte hinweg.
Fazit: Nachhaltigkeit beginnt im Betrieb
In Zeiten steigender Investitionskosten und wachsender Anforderungen an Nachhaltigkeit gewinnt die Lebensdauer von Produktionsanlagen zunehmend an Bedeutung.
Die Produktionslinie in Delmenhorst zeigt eindrucksvoll, dass Modernisierung nicht immer vollständigen Ersatz bedeuten muss. Häufig liegt großes Potenzial darin, bestehende Technik sinnvoll zu erhalten und gezielt weiterzuentwickeln.
Genau hier zeigt sich der Wert von präventiver Wartung und kontinuierlicher technischer Betreuung. Sie schaffen die Grundlage dafür, dass bewährte Systeme auch nach Jahrzehnten stabil, wirtschaftlich und produktiv arbeiten können.